Jugendtheater Oedheim    
                                               4./5. Mai 2013

                         

 

 

 

 

Leider haben einschlägige deutsche Übersetzungen von William Shakespeares vor Jahrhunderten veröffentlichten Bühnenwerken ein ernsthaftes Problem: Es fehlt die Kompatibilität zur uns vertrauten Umgangssprache. Unsere jungen Theatermacher verpasstem dem Liebesdrama „Romeo & Julia 2.0“ den Jargon und das Umfeld unserer Nachwuchsgeneration.


Der Prospekt           Home

 

Noch haarscharf am Original      LORENZO:       "Zwei Häuser in Verona, würdevoll,
wohin als Szene unser Spiel euch bannt,
erwecken neuen Streit aus altem Groll,
und Bürgerblut befleckt die Bürgerhand.
Aus beider Feinde unheilvollem Schoß
entspringt ein Liebespaar, unsternbedroht,
und es begräbt - ein jämmerliches Los -
der Väter lang gehegten Streit ihr Tod.
Wie diese Liebe nun dem Tod verfiel,
der Eltern Wüten, immerfort erneut,
erst in der Kinder Ende fand sein Ziel,
das lehret euch die Bühne heut."
 

Blau steht für den Clan der Montagues, rot für die Capulets. Dazwischen Paris, der Stadthalter, der mal wieder eine Rauferei zwischen den Familien schlichten musste.

 

ROMEO (re.)  Sieht hier irgendwas nach Glück aus? Aber im Ernst: da gibt’s ein Mädchen.

BENVOLIO   Hab ich’s doch gewusst.

Zum Glück gibt es den Stadthalter Paris, den Julias Mutti (li.) gerne an der Seite ihrer Tochter sähe.

Julias Nanny (Mitte) : Wenn ich je noch deine Hochzeit erlebe, dann wäre ich unendlich glücklich.

 

Falsche Party: Auch noch so abgefahrene DJ-Nummern lassen Romeo kalt und lustlos.

Schon eher Romeos Fall: "Boah, was für ein heißes Gerät!"

JULIA:   Ich sah zu früh, den ich zu spät erkannt.
O Wunderwerk! ich fühle mich getrieben,
Den ärgsten Feind aufs zärtlichste zu lieben.

Die Rose oder einfach eine SMS?

;-)

Mercutio und Benvolio erwarten Stress mit den Capulets.

Und der lässt nicht lange auf sich warten: Mercutio sucht einen Kugelfänger ...

... und fängt selbst eine: "Scheiße, mich hat’s erwischt! Oder ich bin undicht!"

"Wer war das?"

Als ihre Nanny von der Ballerei erzählt, fürchtet Julia auch ihren geliebten Romeo unter den Opfern. Völlig unbegründet, ...

... denn als Täter nützt Romeo ("Die Todesstrafe wäre mir am liebsten!") noch eine letzte Gelegenheit, seinen Schatz zu treffen. Dabei fällt dem verliebten Paar nicht viel anderes ein, als darüber zu streiten, ob gerade die Lerche oder die Nachtigall gezwitschert hat.

Jetzt wird´s eng: Lorenzo (li.) soll für übermorgen die Hochzeit von Julia mit Paris managen, egal ob sie ihn liebt oder nicht. Die Capulets wollen beim Schwiegersohn schon mitbestimmen dürfen.

Böse Überraschung für den Bräutigam: Der Tod hat sich Julia vor Paris zur Braut genommen.

Romeo will zu seiner Julia. Doch Paris stellt sich ihm in den Weg. Romeo pustet ihn kurzerhand weg.

Dass sich Julia zum Schutz vor der Heirat mit Paris lediglich mit irgend so ´nem Zeug aus Lorenzos Kräuterschrank betäubt hat, kriegt Romeo nicht mit. Nur wegen eines leeren Akkus.

"Der Tod hat dir zwar das Leben genommen, aber du bist so schön wie beim ersten Mal, als ich dich gesehen habe. Warum? Warum bist du noch so schön? Oh, ich will dich nie mehr verlassen!" Und Romeo greift zu einem bisschen mehr von dem starken Zeug, das ihm neulich ein geldgieriger Apotheker vertickt hat.

Der Dealer hat nicht zu viel versprochen, das Zeug wirkt schnell.

:´-(

LORENZO     Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen.
Die Sonne scheint, verhüllt vor Weh, zu weilen.
Kommt, offenbart mir ferner, was verborgen:
 Ich will nicht strafen oder Gnad‘ erteilen;
Denn niemals gab es ein so herbes Los,
Als das Julias und ihres Romeos.

 

Mehr
    in der Heilbronner Stimme  
>>>
    im Mitteilungsblatt   
>>>
   
   

Fotos: Gerhard Herold

 

Hier noch die Bonus-Bilder
 

zum Seitenanfang 

Home